Beschreibung
Zwischen Heimat und Ferne – eine fesselnde Geschichte über Familie, Identität und die Suche nach Zugehörigkeit
Omars kleine Bar an der südlichsten Spitze Italiens hat wenig von ihrem berühmten Vorbild, dem sagenumwobenen Tangerinn in Marokko, und doch ist sie ein Stück Heimat für all diejenigen, die übers Meer gekommen sind, um in Europa ein neues Leben zu beginnen. Nun ist Omar gestorben und Mina, die jüngere Tochter, die schon lange in London lebt, muss sich mit seinem Erbe und ihrer schwierigen Herkunftsfamilie auseinandersetzen, vor der sie Jahre zuvor geflohen war. Wird sie in der alten Heimat endlich eine Antwort auf die Frage finden, wer sie ist und was sie wirklich will?
Mina führt in London ein sorgfältig gestaltetes Leben, das wenig Spielraum für Spontaneität lässt. Sie orientiert sich an neuen Vorbildern und verdrängt ihre Herkunft als Halbmarokkanerin aus Süditalien. Als sie durch einen Anruf ihrer Mutter vom plötzlichen Tod des Vaters erfährt, kehrt sie in ihr Elternhaus an der kalabrischen Küste zurück, zunächst nur zur Beerdigung. Zurück in die Welt ihrer Kindheit und Jugend, mit einer psychisch labilen Mutter und den Erinnerungen an den schwer zu fassenden Vater mit einer geheimnisvollen Vergangenheit in Marokko, der nur für seine Bar zu leben schien. Die Bar ist mehr als nur eine Bar: sie ist ein Treffpunkt, ein Zufluchtsort für Migranten und Außenseiter, ein Traum, den Minas Schwester Aisha nach Omars Tod mühsam am Leben zu erhalten versucht.
In einer Welt voller Ungewissheiten und falscher Vorbilder muss Mina, hin- und hergerissen zwischen London, ihrem Heimatdorf in Kalabrien und dem imaginierten Ursprungsland ihres geliebten, aber meist abwesenden Vaters, ihren Platz finden. Eine Geschichte voller Poesie und Liebe, aber auch messerscharfe Gesellschaftskritik und schonungslose Selbstanalyse. Ein Buch, das viele Selbstverständlichkeiten radikal infrage stellt – im Leben der Protagonistin wie in unseren Köpfen.
Die Autorin Emanuela Anechoum wurde 1991 in Reggio Calabria geboren, sie lebt in Rom. Nach dem Studium arbeitete sie im Verlagswesen in London, um dann nach Italien zu ziehen. Sie schrieb für die Print- und Onlinemagazine Vice, Doppiozero und Marvin Rivista. Mit ihrem Debütroman »Tangerin« hat sie mehrere Preise gewonnen, darunter 2024 den Premio Mastercard Esordienti und den Premio Selezione Bancarella.
Aus dem Italienischen übersetzt von Christiane Burkhardt
»›Tangerinn‹ beschäftigt sich auf kluge Weise mit gleich mehreren brandaktuellen Themen wie Identität und Herkunft, Entwurzelung und religiösen Gegensätzen.« – Brunella Schisa, La Repubblica
»Anechoum legt ein Romandebüt von seltener Intensität vor – in einer einfachen, aber präzisen Sprache (…), die innerhalb weniger Seiten zwischen ironisch und literarisch changieren kann.« -
Lara Ricci, Il Sole 24 Ore»In ›Tangerinn‹ begegnen sich zwei Arten der Entwurzelung: die der Kinder und die der Väter – das Expat-Sein und das Migrant-Sein.« – Eugenio Giannetta, Avvenire





